News

Just-in-time auf die Ackerkrume

ZUSTELLKONZEPTE // WIND UND WETTER MACHEN DIE LOGISTIK IN DER LANDWIRTSCHAFT ZU EINER ANSPRUCHSVOLLEN AUFGABE. DIE BAYWA SETZT FÜR IHR AGRARGESCHÄFT AUF REGIONALE NÄHE, FLEXIBLE DIENSTLEISTER UND SMARTE VERSANDKONZEPTE.

Same Day Delivery ist für Heinrich Gerads eine tägliche Herausforderung. Der Logistikchef des nationalen Agrarvertriebs des internationalen Handels- und Dienstleistungskonzerns BayWa liefert dringend benötigte Produkte an seine Kunden innerhalb weniger Stunden aus. Bis auf den Hof, versteht sich. Drei Tonnen Hafer für ein Pferdegestüt in Oberbayern, 5.000 Rebenschutzschläuche an einen fränkischen Winzer, zehn Gebinde Halmfestiger für einen Getreidebauer in Sachsen-Anhalt.

„Wir haben eine wichtige Versorgungsfunktion für die Landwirtschaft“, sagt Gerads, der im Jahr Millionen Tonnen an Tierfutter, Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemitteln zwischen Feld, Lagerhaus und Verwender bewegt – als Schüttgut, Siloware oder palettierte Stückgutware. Dabei ist das Unternehmen, das sich als Partner der Landwirte versteht, Berater, Lieferant und Vermarkter zugleich: Wird im Frühjahr die Vegetationsphase durch Lieferung landwirtschaftlicher Produktionsmittel gesichert, gilt es im Herbst, die Ernte in regionale Lager einzulagern. Je nach Bedarf liefert die BayWa dann über das ganze Jahr verteilt an Verarbeitungsbetriebe wie Mälzereien oder Müllereibetriebe aus.

Das Wetter und die individuellen Gegebenheiten auf den landwirtschaftlichen Betrieben stellen zu jeder Zeit hohe Herausforderungen an die Agrarlogistik. „Die Vegetationsstufen sind Taktgeber für unsere Logistik“, erläutert Gerads. Abgesehen von den Saisonspitzen zum Vegetationsstart im Frühjahr und zur Erntezeit im Herbst, an denen die Logistik auf Hochtouren läuft, erfordern wechselnde Wetterlagen, Unwetter oder Schädlingsbefall eine schnelle Reaktion. Ist das Wetter zu feucht, droht Pilzbefall. Ist es zu trocken, werden nur Saatgutvarianten gedeihen können, die bei Trockenheit weniger anfällig sind. Und auch Schädlinge wie die Blattlaus sind ohnehin eine ständige mögliche Bedrohung auf den Feldern.

 

Ernteerträge sichern


„Ernteerträge zu sichern, ist oberstes Ziel“, sagt Gerads, der in der Logistik auf kurze Wege setzt. Mehr als 80 Kilometer Entfernung zum Kunden sollen es in den fünf deutschen Logistikregionen der BayWa-Agrarwelt im Idealfall nicht sein. Mehrere Tausend Landwirte werden über die zehn Regionallager von Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern bis hinunter nach Tettnang am Bodensee versorgt; Futtermittel werden aus dem Zentrallager in Crailsheim in die Regionen geliefert. Darüber hinaus betreibt BayWa Speziallager, in denen unter anderem Produkte aus dem neuen Onlineshop gelagert werden. Mehr als 13.000 Artikel sind hier gelistet: von der Arbeitskleidung über die Bewässerungstechnik bis zur Heckenschere. Denn auch Hobbygärtner zählen zu den BayWa-Kunden.

Um die Versorgung der Agrarkunden bestmöglich flächendeckend zu gewährleisten, setzt Gerads auf Logistikpartner: Im Norden und Nordosten Deutschlands ist das die Hamburger Compass Logistics International AG (CLI). Mehrere Dutzend Aufträge bekommt Thomas Gehrke, CLI Niederlassungsleiter in Stavenhagen, täglich von BayWa auf den Tisch. Im Frühjahr, wenn die erste heiße Phase beginne, komme es darauf an, jeden Landwirt trotz hoher Nachfrage pünktlich mit der bestellten Ware zu beliefern, so Gehrke. Höchst anspruchsvoll an der Agrarlogistik ist, dass sich Mengen und Abrufe kaum planen lassen. Wenn ein Futtersilo seinen Meldebestand erreicht hat und eine Bestellung ausgelöst wurde, muss es schnell gehen. Die Zeitfenster zur Anlieferung sind eng. „Wir müssen just-in-time auf den Hof liefern“, berichtet Gerads, der die Professionalisierung der Agrarlogistik durch den Einsatz moderner IT-Systeme und Telematik seit sechs Jahren bei BayWa Agrarvertrieb vorantreibt.

 

„Es geht darum, den Servicegrad kontinuierlich zu verbessern.“


„Es geht darum, den Servicegrad kontinuierlich zu verbessern.“ Jeder Verzug kann weitreichende Folgen haben. Mastbetriebe sind äußerst sensibel, wenn das Silo leerläuft und das Futter fehlt. Auch Ackerbauern haben keine Zeitpuffer, um auf eine Lieferung zu warten, wenn Lohnarbeiter auf dem Acker stehen. „Die Zuverlässigkeit unserer Dienstleister steht an erster Stelle“, sagt der 54-jährige BayWa-Logistikexperte.

Damit BayWa-Lieferungen optimal getaktet werden können, hat man bei Compass Logistics International eine eigene App zur Statusabfrage des Versandauftrags entwickelt. Auslieferbelege werden in Echtzeit an das CLI-System gesendet. Auch Beschädigungen oder Kommentare werden über die App erfasst. Mit der Entwicklung liefert CLI einen Baustein zum Smart Farming, der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung von Produktions- und Logistikprozessen in der Landwirtschaft, die BayWa als Agrarhändler vorantreibt.

Höchste Qualitätskriterien gelten für den Umgang mit allen BayWa-Agrarprodukten. Viele Artikel dürfen keinen Frost abbekommen, weil sie sonst unwirksam werden. Strenge Reinigungspläne für Fahrzeuge beschreiben, ob ein Silo nass oder trocken gereinigt werden muss. Qualitätszertifizierungen und eine Zertifizierung für Lebensmittelsicherheit nach IFS-Standard sind für Spediteure, die für BayWa Agrar fahren wollen, Pflicht. Um in dem volatilen Agrargeschäft flexibel bleiben zu können, setzt BayWa Agrar auf Outsourcing. „Wir können Saisonschwankungen und Personalengpässe besser über externe Dienstleister ausgleichen“, betont Gerads, der auf langfristige Partnerschaften mit den Logistikdienstleistern setzt. „Kontinuität im Kundenverkehr ist wichtig.

Unsere Landwirte sollten nicht jeden Tag einen neuen Fahrer sehen.“ Transporte werden unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit optimiert mit dem Ziel, Kohlenstoffdioxid einzusparen und die Logistikkosten im Griff zu behalten. Große Mengen Schüttgut gehen über die Schiene oder die Binnenwasserstraßen. Die Abwicklung des Exportgeschäftes erfolgt unter anderem über die Ostsee-Hafenstandorte Vierow und Mukran, an denen das Unternehmen Anteile besitzt.

Die Anforderungen an die Agrarwirtschaft steigen kontinuierlich. Mit eigenem Versuchswesen und Anbauflächen geht BayWa Agrar der Wirkung von Produkten auf den Grund. Eigene Pflanzenbauberater schwärmen aus, um Kunden in Fragen der besten Saatgutvariante oder der richtigen Düngermenge beraten zu können. Wie lässt sich die Milchleistung steigern? Wie können Tierarztkosten durch gesundes Futter vermieden werden? „Vertrieb und Logistik arbeiten bei uns Hand in Hand, um schnell auf wechselnde Marktanforderungen reagieren zu können“, beschreibt Gerads ein Grundprinzip der Zusammenarbeit im Agrarbereich.

Dabei schätzt der Betriebswirt (DAV) die kurzen Wege und schnellen Entscheidungen, die er bei mittelständischen Logistikpartnern wie Compass Logistics International findet.


< zurück zur News-Übersicht